SUSIES geht essen:
veganer Kochkurs im Restaurant „Happenpappen”
mit Christine von „Veine Kost”

 

SUSIES Local Food auf Genuss-Tour in Hamburg: „Veine Kost” bietet Kochkurse an, nein nicht für Menschen mit Rechtschreibschwäche, sondern für die vegane Küche. Wir ließen uns von Christine Meinlschmidt zeigen, wie man spanische Tapas zubereitet –  konsequent ohne tierische Produkte

Alles ist bereit: Auf den Tischen liegen grüne Plastikbretter, darauf scharfe Messer. Zwischen den Brettern stehen einige große Schüsseln gefüllt mit Pilzen und Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln. Christine kontrolliert noch einmal alles und wirft einen Blick auf die Rezepte. Die Reihenfolge der Zubereitung ist fest gelegt. Nichts fehlt. Es kann los gehen. 

Kurz vor halb sieben Uhr. Gleich wird es voll im kleinen Restaurant „Happenpappen“. Zehn Teilnehmer haben sich für den Kochkurs angemeldet: Auf dem Lehrplan stehen „Tapas“, und das besondere daran wird die vegane Zubereitung sein. Selbst die typischen Abondigas, eigentlich Hackbällchen in Tomatensauce, sollen ohne Fleisch gebraten werden. Christine verwendet Seitan. Wichtig ist, dass die Zwiebeln nicht fehlen, sonst schmecken die Bällchen zu teigig. Wie werden ihre heutigen Schüler auf das Rezept reagieren?

Christine konzentriert sich auf Gerichte, die leicht zu kochen sind. Denn für viele Kursteilnehmer wird dieser Abend der Einstieg in die vegane Küche. Und die quirlige Köchin mit den streng nach hinten gebundenen Haaren und den großen blauen Augen versteht sich auch als Botschafterin der veganen Küche. Sie weiß, dass viele sich für ihre Kurse anmelden, weil sie genervt sind von den Tricks der Lebensmittelindustrie, weil sie auf der Suche sind nach einer Küche, die ohne unverständliche Zusatzstoffe auskommt, ohne mehrstellige E-Formeln, die selbst dann irgendwie gruselig wirken, wenn sich dahinter der eigentlich unbedenkliche Zuckerersatzstoff Stevia verbirgt.

Warum vegan? Christine ist auf einem Hof aufgewachsen und weiß, wie man Tiere schlachtet, was das wirklich bedeutet. Lange hielt sie das für den normalen Gang des Lebens. Bis die Zweifel immer größer und nagender wurden. Und – es lässt sich gar nicht an einem Tag fest machen – dann kam die Entscheidung, auf sämtliche tierische Produkte zu verzichten, sie ist Veganerin geworden und hat mit Mann Ralph „Veine Kost” gegründet. 

Zuerst sollen sich die Teilnehmer des Kochkurses etwas kennen lernen. Bei einem Glas Wein begrüßt Christine jeden einzelnen, fragt ein wenig, erzählt etwas, regt Themen an – der Erfolg eines Kochkurses hängt immer auch ab von den Conferenciere-Qualitäten des Vorkochers. Die scheinen zu stimmen. Denn jetzt studieren die wissbegierigen Schüler, angeregt sich austauschend, die Speisenfolge für den „Kochabend Tapas” und machen sich, interessiert den Anweisungen lauschend, an die Arbeit. Jeder übernimmt eine Aufgabe, es wird eifrig geschält und geschnitten. Selbst über den Zwiebeln weinen Freiwillige.

 
  SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

Christines empfiehlt ihre Lieblings-Orte für regionales Essen in Hamburg

Veganz, Altona – der erste vegane Supermarkt mit einer unschlagbaren Vielfalt an Produkten, vielleicht etwas teuer, aber alternativlos. 

Happenpappen, Eimsbüttel – das kleine Lokal von Roman trägt die Zusatzbezeichnung „vegane Wohnküche”. Und tatsächlich hat das Restaurant eine sehr private Atmosphäre.

Kühne Lage, Altona – es gibt keinen Wein in Norddeutschland (was schade ist), dafür aber sehr gute Weinhändler. Dieser hat nicht nur viele Bio-Winzer im Angebot, sondern weiß auch, welche vegan arbeiten.

 

Die beste local cuisine bei SUSIES

Zum Spätzle – Neustadt

Bullerei – Sternschanze 

Waku Waku – Neustadt

Auch diese Adressen gefallen SUSIES

Tarterie St. Pauli, Goldburger, Kleines Jacob

Nicht alle Teilnehmer sind Vegetarier, oder Vaganer, aber alle sind neugierig und wollen mehr Vielfalt in ihr Kochen bringen. Und Veganer wie Christine erklären wiederholt, dass die ganz auf tierische Produkte verzichtende Küche viel mehr Möglichkeiten biete als die konventionelle. 

Während des Schnibbelns erklärt Christine die einzelnen Schritte. Den Ensalda Russe richtet sie mit Möhrenmayonnaise an, die ohne Ei hergestellt wird. Bei den Champignons in Sherry-Sauce ersetzt sie den Sherry, denn es lässt sich nicht zweifelsfrei klären, welcher Portwein über aus tierischen Produkten gewonnene Gelatine geklärt wird, welcher nicht. Beim Whisky gibt es das Problem nicht. 

In der großen Küche stehen nun alle um den Herd, schauen zu, wie Nina, Christines Assistentin, die Abondigas brät und wie auf einer anderen Flamme die Tomatensauce köchelt. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfährt jedoch ein Apparat, der in der veganen Küche oft zum Einsatz kommt: der Thermomix. Das Gerät zerkleinert, püriert, quirlt, verrührt. Fast entsteht der Eindruck, es handele sich um eine Allzweck-Maschine. 

Das selbst gebackene Brot kommt ganz „altmodisch“ aus dem Ofen und riecht köstlich. Als Nachtisch rührt Christine eine Creme an, die aus Gofio, dem geröstete Maismehl der Kanaren, und einer veganen „Sahne“ besteht. Das Gofio wird vorsichtig untergehoben, und schon ist das leicht nussig schmeckende, nicht zu süße Dessert fertig. 

Beim Essen ist es erstaunlich leise – nur ein „mmhh“ und „reich mir bitte mal…“ ist zu hören. Ein stiller Stolz bemächtigt sich der Teilnehmer, dass ihnen das Essen so gut gelungen ist. Und am Ende ist jede Schüssel leer. Alle sind sich einig, dass es überraschend einfach war, vegan zu kochen. Vor allem aber, dass sich die Vorbehalte in Bezug auf die Qualität der fleischlosen Speisen überhaupt nicht bestätigt haben.

Ein wenig erschöpft steht Christine jetzt in der offenen Küche des kleinen Restaurants in Eimsbüttel. Geschafft! Es war ein langer Abend. Und ein guter Kurs. Inzwischen ist es kurz vor 23 Uhr. Christine, die mit viel Herzblut bei der Sache ist, beginnt aufzuräumen. Sie ist in Gedanken schon beim nächsten Kurs, in einem anderen Restaurant führt ihr mobiles Zwei-Personen-Unternehmen ein in die Geheimnisse der veganen italienischen Küche. Sie zeigt wie man Caprese zubereitet mit selbst gemachtem Mozzarella und Topinambur-Saltimbocca auf Risotto Milanese...


Veine Kost 

Christine Meinlschmidt und Ralph Keukert 

www.veinekost.de

Christine und Ralf verstehen sich als mobile, vegane Koch-Einheit. Sie bieten Kochkurse und Caterings an, Events und Homecooking (soll heißen: Man bestellt die beiden zu sich nach Hause, und sie machen das Essen). Auf ihrer Website kann zudem vegane Pralinen und Kuchen ordern.