SUSIES auf Tour:
Die besten Initiativen in Hamburg –
die Besserbrauer aus der Neustadt

 

SUSIES LOCAL FOOD erhält Besuch von Kathy und Jörg. Die „Besserbrauer” revolutionieren die Bier-Herstellung – ihre Box enthält die nötigen Gerätschaften und Zutaten um Bier zu machen. In der eigenen Küche. „Liebling, ich habe die Brauerei geschrumpft...”

„Früher haben die Frauen das Bier gebraut. Auf der einen Flamme stand der Topf mit dem Essen, auf der anderen der Bottich mit der Maische.“ Kathy von den Besserbrauern steht an unserem Herd und rührt Malz in heißes Wasser. „Aber es muss furchtbar geschmeckt haben. Damals kannte man noch keine Hefe, keinen Hopfen. Der Alkohol entstand durch Zufall, weil das Gemisch an der Luft mit natürlichen Hefekeimen in Berührung kam und gärte.“ Kurz verzieht sich ihr Gesicht bei dem Gedanken, bevor sie wieder fröhlich lacht.

Kathy und Jörg sind zu Besuch, und die Stimmung ist von Anfang an heiter. Was nicht nur daran liegt, dass wir zusammen Bier brauen. Sondern vor allem, weil die beiden eine verblüffende Marktlücke gefunden haben in der boomenden Craft-Beer-Szene: Die „Besserbrauer” miniaturisieren das System der Microbrewery zur Nano-Brewery. Sie selbst nennen sich Brew-it-Yourselfies.

Zu Hause Bier brauen, das war bisher eher was für Heimwerker. Man hantierte mit großen Plastikbottichen, mit Schläuchen und Pumpen. Eine Tätigkeit, für die man eher in den Waschkeller ging als in die Küche. Doch wie der Craft-Beer-Boom den Kauf von Bier raus geholt hat aus trostlosen, neonbeleuchteten Getränkemärkten, und wie sich dadurch das Betrinken mit Bier gewandelt hat zum genussvollen Trinken von Bier, so machen die Besserbrauer aus der burschikosen Bastelarbeit ein Küchen-Event.

Ihre Braubox ist nicht nur viel handlicher, sondern auch stilvoll. Sie enthält alles, was man für vier Liter Bier – also zwei Sixpacks – braucht: eine Gärflasche aus Glas, ein Paket mit frisch verpackten Zutaten, ein Thermometer, eine handliche Pumpe zum Abfüllen in Flaschen und eine Brauanleitung. Okay, fast alles. Flaschen muss man selbst haben. Dass Selberbrauen in Deutschland überhaupt erlaubt ist, haben wir Jean Pütz zu verdanken. Der inzwischen 78-jährige Journalist mit Wuschelhaar und Schnauzbart moderierte einst die WDR-Sendung „Hobbythek“. 

„Auf Youtube gibt eine Folge von 1982“, sagt Jörg, „darin durchbricht Pütz ein Tabu und zeigt zum ersten Mal in Deutschland eine Anleitung zur Bierherstellung." Und weil die Herstellung bis dahin nur Brauereien erlaubt war, wurde vor der Sendung eine Bagatellregelung mit den Behörden ausgehandelt. Seitdem darf jeder Hobbybrauer bis zu 200 Liter Bier im Jahr brauen. 200 Liter!

 
  SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

Kathys und Jörg Lieblings-Adressen für regionales Essen in Hamburg

„Luicella's Ice Cream“ – Das winzige Eiscafé neben unserem Büro ist perfekt, um sich zwischendurch schnell „eine Kugel Lebensfreude“ zu holen. Das Eis ist selbstgemacht und schmeckt unschlagbar gut.

„Craft Beer Store“ – Hier werden neben Hamburger Craft Bieren z.B. von der Kreativbrauerei Kehrwieder auch besondere Biere aus aller Welt angeboten. Freitags gibt es dort ab 18 Uhr das „Open Bottle“, wo neue Biere ausgeschenkt werden. 

„Hallo Frau Nachbar“ – Ein toller Nachbarschaftsmarkt in den Schanzenhöfen, auf dem wir ab Juli auch einen Stand haben werden. Hier gibt es alles, was das Gourmet-Herz begehrt!

 

Weitere Initiativen bei SUSIES

Landvergnügen – Deutschland 

Kochcowboys – Othmarschen

 

Auch diese Adressen gefallen SUSIES

Regionalwert AG, Altes Mädchen 

Mit dem Set von Kathy und Jörg müsste man also 50 Brauvorgänge starten. Und das ist doch ganz schön viel Arbeit. Mittlerweile hat das Malz bei 69° Grad eine Stunde vor sich hin geköchelt, Kathy erhöht die Temperatur auf 78° Grad und nimmt den Topf vom Herd. In diesem ersten Schritt, dem „Maischen“, wird der Zucker aus dem Malz gewonnen, der später von der Hefe zu Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird. 

Eigentlich sind Kathy und Jörg in der Medienbranche tätig, sie als Mediaplanerin, er als freier Designer und Art Director. Vor ein paar Jahren saßen sie mit Freunden zusammen. „Und wir scherzten, Hamburg bräuchte mal wieder ein richtig gutes Bier.“ Das ist so ein leicht dahin gesagter Satz, den Kathy und Jörg aber nie vergessen haben. Irgendwann setzten sie, die auch gern zusammen kochen, den ersten Sud auf. Die Arbeit war umständlich, doch das Ergebnis gar nicht so schlecht. „Wir beschlossen eine stadtküchentaugliche Variante des Bierbrauens zu entwerfen. So ist die Braubox entstanden.“   

Der nächste Schritt ist das „Läutern“. Die Flüssigkeit wird durch das Malz gefiltert. Aus dem so genannten Treber, der übrig bleibt, lässt sich super Brot backen. Und damit fangen wir jetzt auch an. Ja, ja, so ein Brautag ist lang, mit vier bis fünf Stunden muss man rechnen. Oder noch mehr. Denn, es ist ein geselliges Unterfangen – man redet über Bier, trinkt dabei das eine oder andere, setzt ein eigenes Gebräu auf, backt, snackt, schnackt. 

Wir erfahren, dass Jörg viel arbeitet, und dass er beim Bierbrauen wunderbar den Alltag hinter sich lässt. Und man kann mit dem Ergebnis obendrein angeben. Das ist allerdings eher so ein Männerding. „Dabei ist es spannend, dass immer mehr Frauen an unserem Marktstand stehen bleiben“, sagt Kathy jetzt. „Nicht, weil sie die Box für ihre Männer kaufen wollen, sondern weil sie neugierig sind.“

Der Umstand, dass jeder seinen eigenen Sud aufsetzen kann, den Geschmack selbst bestimmen kann, hat noch einen anderen Effekt. Es höhlt das Reinheitsgebot aus. Denn eigentlich ist diese vermeintliche Ikone der deutschen Verordnungen eine längst unzeitgemäße DIN-Norm. Vor 500 Jahren sollte so dafür gesorgt werden, dass aus dem knappen Gut Weizen eher Brot gebacken als Bier gebraut würde. Inzwischen aber spricht nichts mehr dagegen, Bier auch mit anderen Zutaten herzustellen. Jörg sagt: „Wir überlegen, verschiedene Zutaten zu unseren Kits zuzugeben – Orange für ein Winterbier wäre doch super lecker.“

Mittlerweile ist der „Nachguss“ durch den Treber gelaufen. Jetzt kommt der Hopfen hinzu, der dem Bier die würzige Note gibt. Jörg schneidet das Päckchen auf und hält es uns unter die Nase. Das Aroma ist großartig – leicht fruchtig, etwas würzig, und man ahnt schon das Pale Ale, das in unserer Küche entsteht. Der Kochvorgang dauert etwa 90 Minuten und muss schnell gestoppt werden, man muss die so genannte „Würze“ auf 20 Grad Celsius herunter kühlen, damit sich keine unerwünschten „wilden“ Hefekeime aus der Luft mit dem Bier vermengen, bevor die Bierhefe zugegeben wird. Diese wandelt anschließend den Zucker der Würze in Alkohol.

Kathy schüttelt die Gärflasche, damit der Sauerstoff die Hefe „aufweckt“. An einem möglichst kühlen und dunklen Ort soll die Würze eine Woche vor sich hingären, bis es in Flaschen abgefüllt werden kann. Erst in der Flasche und mit Hilfe von etwas Zucker, den man hinzu gibt, entwickelt sich die Kohlensäure.

Wir waren fleißig, haben aus dem Treber bereits Brot gebacken, das jetzt aus dem Ofen kommt. „Plopp“, wir öffnen noch eine Flasche aus dem Craft-Beer-Store, genießen das warme Brot mit Butter und Salz. Zeit für ein Interview.

WIESO Besserbrauer?

Wir wollten eine zeitgemäße Möglichkeit schaffen, selbst Bier zu brauen. Unser Anspruch war, mit besseren Zutaten ein besseres Bier als das meist nach Wasser und Kohlensäure schmeckende Industriebier herzustellen. Also konnte der Name für unser Startup nur lauten: „Besserbrauer“.

Wie regional seid ihr?

Malz und Hopfen ausschließlich aus der Region zu beziehen ist nicht möglich, den Hopfen bekommen wir aus den deutschen Hopfenregionen in Tettnang und Hallertau. Der regionale Aspekt liegt darin, dass wir die Hamburger animieren wollen, mit unseren Zutaten in ihren eigenen Küchen Bier zu brauen. Wir wollen Hamburg weiter als deutsche Craft-Beer-Hochburg stärken. Außerdem sind gerade einige Kooperationen mit regionalen Anbietern in der Planung. Von Honig aus der Region in einem Summer Ale oder frisch gerösteten Kaffeebohnen in einem Stout ist ja einiges möglich!

WANN ZEICHNETE SICH AB, DASS EURE HERANGEHENSWEISE FUNKTIONIEREN WIRD?

Wir planen seit einem Jahr: Erst haben wir Rezepte ausprobiert, uns dann auf die Suche nach passenden Lieferanten gemacht, die uns auch kleine Mengen verkaufen, und wir mussten das richtige Equipment zusammen stellen. Das hat gedauert. Noch sind wir konkurrenzlos und sehr zuversichtlich, dass die Box Erfolg haben wird. Das Feedback jedenfalls ist super!  

WIE WIRD ES WEITERGEHEN?

Wir planen langfristig einen Online-Shop aufzubauen und weitere Sorten anzubieten, momentan gibt es ein „Helles“, ein „Pale Ale“, ein „Dunkles“ und ab nächster Woche auch ein “Sommerweizen”. Da lässt sich noch viel variieren, das wird noch richtig Spaß machen!

Inzwischen haben wir unser Bier – an einem weiteren, fröhlich-bierseligen Abend – „abgeflascht“. Und es steht wieder am selben kühlen Ort wie zuvor der Gärballon (nämlich in unserem Kamin, haha), wo es weitere drei bis vier Wochen reifen muss. Wir freuen uns schon sehr auf das Ergebnis. Wir werden euch berichten, wie es schmeckt! 

Foto und Text: Susanne Baade


Besserbrauer

Kathy Gabel und Jörg Iversen 

www.besserbrauer.de

Die Braubox kostet ca. 79 Euro, die beiden verkaufen bei der Messe Treib.gut, bei Hallo Frau Nachbar und der Marktzeit in der Fabrik. 

 

SUSIES empfiehlt: Freunde einladen, ein paar Biere verkosten, Brot backen und Spaß haben! Zum Abschluss coole Etiketten entwerfen und entweder einige Flaschen verschenken, oder sie lässig in der Öffentlichkeit trinken und angeben ;)