SUSIES stellt vor:
Local Food Blogs in Hamburg – Arne Ewerbeck von „The Vegetarian Diaries” 

 

SUSIES Local Food trifft Arne Ewerbeck in seiner minimalistisch eingerichteten Wohnung in Altona. Der Physiker hat irgendwann einfach aufgehört Fleisch zu essen, jetzt ernährt er sich vegan. Im Blog „The Vegetarian Diaries” liefert er Erkenntnisse und Rezepte zum Leben ohne Fleisch.

Es gibt Menschen, deren Küchen-Weltbild ist fest gefügt. Abweichungen davon können sie nicht ertragen. Sie stellen das Besteck immer mit dem Kopf nach oben in die Spülmaschine und werden ungemütlich, wenn es jemand anders macht (und sie korrigieren „falsch” positionierte Gabeln und Löffel in einem Moment, in dem sie sich unbeobachtet fühlen). Sie warten immer, bis die Pfanne heiß ist, ehe sie Öl hinein gießen. Und sie streiten sich mit Partner oder Freunden über die Frage: Wann kommt das Salz ins Wasser, erst wenn das kocht? Oder vorher?

Irgendwann hat sich Arne dieser großen Küchen-Mythen angenommen. In seinem Blog „The Vegetarian Diaries” schreibt er darüber, warum Küchenfenster im Winter stärker beschlagen als im Sommer, warum Mehl weiß ist und was sich genau verbirgt hinter dem Begriff „Gluten”. Wie er darauf gekommen ist? „Das hat sich so ergeben”, sagt Arne, als Naturwissenschaftler sei er immer wieder danach gefragt worden. Irgendwann habe er dann angefangen, diese Geschichten zu recherchieren und aufzuschreiben. Und der Erfolg habe ihn überrascht.

Wir sitzen in Arnes Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer. Ein klar eingerichteter Raum mit Holzdielen, weißen Wänden und überwiegend schwarzen Möbeln. An einer Wand hängt eine schwarze Tafel, auf der weiße Steckbuchstaben den Songtext zu „8000 Mark” der Band Supershirt bilden: „Was kostet ein Bier? Was kosten zwei Bier? Was kostet Freibier? 8000 Mark."

Arne hat für uns gebacken, vegane Muffins, und er hat einen Chai gekocht, gewürzt mit Sternanis, Muskat und Koriander. Schmeckt super. Allerdings will der leicht weihnachtliche Duft nicht so recht passen zur kleinen Wohnung in Altona, deren stilistische Geradlinigkeit sich aus der schwarzen Küche her ausbreitet. Nur der Flur, in dem sich Jacken knäueln und Schuhe stapeln, scheint vom Gestaltungswillen des Bewohners ausgenommen. Der selbst präsentiert sich akkurat gescheitelt, mit großer moderner Brille, in einem Pulli, der so schwarz-weiß ist, dass er grau wirkt.

Arne ist ein aufmerksamer Zuhörer und ein vorsichtig formulierender, aber genauer Redner. Es macht Spaß, sich mit ihm über Fleischverzicht und Ethik zu unterhalten, über neuen und traditionellen Veganismus, über Dörrautomaten und Mandelmilch. Dass er versucht, einen unkomplizierten und vor allem nicht so teuren Zugang zur veganen Ernährung zu bieten.

 
 SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

Arnes Lieblings-Adressen für regionales Essen in Hamburg

La Monella in Rotherbaum – das erste vegetarische italienische Restaurant Hamburgs überrascht mit tollen Gerichten und bietet sogar eine Pizza mit veganem Käse an. Unbedingt ausprobieren und überraschen lassen.

Loving Hut in der Neustadt – asiatisch, vegan, gut. Hier wird viel mit Fleischersatz wie Seitan, Tofu und Sojafleisch gearbeitet. Sehr frische, recht schnelle Küche für einen fairen Preis.

Alnatura in Altona – ein Klassiker. Doch das Sortiment ist sehr gut, und die Preise sind nicht so hoch wie bei Veganz, den ich wegen des Konzepts allerdings sehr schätze. 

 

Local Blogs bei SUSIES:

Kitchenmate – St. Pauli

S-Küche – Winterhude 

Gesund Leben – Altona

 

Auch diese Blogs gefallen SUSIES:

S-KücheLykkelig, Hamburg kocht, Nutriculinary, Herr Grün kocht, Projekt Gesund Leben

© The Vegetarian Diaries  

Und darüber, dass es immer weiter gehen muss, the show must go on, auch im Netz. Dabei enthält sein Blog „The Vegetarian Diaries” bereits mehr als 500 Rezepte, mehr als 700 Artikel zu Produkten und Ernährungsthemen. Die vegetarischen Tagebücher hatten in den vier Jahren seit ihrem Bestehen mehr als eine Million Aufrufe. Wir, deren Projekt da noch ganz am Anfang stehen, können da nur ehrfürchtig schlucken. Noch ein wenig Chai. Und, auf geht's, erste Frage.

 

Wie kam es zu den Vegetarian Diaries?

Eigentlich war ich ein ganz normaler Fleichesser. Bis ich meine Freundin kennen lernte, die ernährt sich ausschließlich vegetarisch. Anfangs hat mich das nicht bewusst beeinflusst. Doch bald änderte sich auch mein Essverhalten, wir kochten öfter asiatisch, arbeiteten mit Tofu und Seitan. Ich merkte, dass ich Fleisch nicht vermisste. Schließlich befasste ich mich gründlich mit dem Thema und erkannte, man kann diese Industrie eigentlich nicht unterstützen. Ich hörte auf, Fleisch zu essen. Und begann darüber zu schreiben. Seit anderthalb Jahren ernähre ich mich überwiegend vegan.

Du bist von Beruf Physiker, was erforscht du?

Ultrakalte Quantengase. Dabei werden Gase auf Temperaturen nahe des absoluten Temperatur-Nullpunkts herruntergekühlt. Dabei treten interessante physikalische Effekte auf, die wir untersuchen.

Vegan ist nicht gleich vegan. Wie vegan bist du?

Ich versuche auf tierische Produkte ganz zu verzichten. Das ist nicht immer leicht, vor allem weil man oft genug nicht über alle nötigen Informationen verfügt. Nehmen wir diesen Agavendicksaft – er nimmt das Glas, aus dem wir unseren Chai gesüßt haben –, im Leim, mit dem die Etiketten geklebt werden, kommt oft Glutin zum Einsatz, das wird aus den Knochen von Tieren gewonnen. Es ist gar nicht so leicht, diese Info zu erhalten. Sich außer Haus nachhaltig vegan zu ernähren, ist nahezu unmöglich.

Obwohl du für deine Doktor-Arbeit forschst, hast du zuletzt viel Zeit investiert in eine gründliche Überarbeitung deines Blogs. Warum?

Der Blog ist auch ein Ausgleich für mich, ich erhalte viel Bestätigung für meine Arbeit, Zuschriften, Kommentare, Produkttests. Und außerdem habe ich schon so viele tolle Rezepte gemacht, mich hat einfach geärgert, dass die so schlecht auffindbar waren.

Wie regional sind deine Rezepte?

Ich lasse mich dafür gern von anderen Foodblogs inspirieren, doch bei der Umsetzung versuche ich möglichst auf regionale und saisonale Produkte zurück zu greifen. Siehe auch mein Rezept für euch.

 

 

Salat mit Granatapfel, geröstetem Kürbis, Rosen- und Blumenkohl

ZUTATEN

160 g Rosenkohl

200 g Blumenkohl

200 g Butternut-Kürbis

Olivenöl, weißer Balsamico

Salz, Pfeffer, Muskat

100 g Feldsalat

50 g Rucola

1/2 gelbe Paprika

1 Frühlingszwiebel

1 Granatapfel

frischer Schnittlauch, Petersilie

 

DRESSING

1 Tl Meerettich

1 Knoblauchzehe

2 Tl Agavendicksaft

1 El Balsamico (hell)

Öl, Salz, Pfeffer

 

ZUBEREITUNG

Rosenkohl, Blumenkohl und Kürbis gegebenenfalls schälen und vom groben Strunk befreien. In mundgerechte Größe zuschneiden. Mit etwas Olivenöl, weißem Balsamico, Salz, Pfeffer und Muskat vermischen. In einer Auflaufform oder auf dem Backblech für knapp 30 Minuten im Backofen bei 200°C backen.

Feldsalat und Rucola gründlich waschen und abtropfen lassen. Paprika und Frühlingszwiebel zuschneiden. Für das Dressing die Knoblauchzehe fein hacken und mit Meerrettich, Agavendicksaft, Balsamico und Öl vermischen. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken.

Sobald das Gemüse aus dem Ofen gut gebräunt und durch ist, mit den restlichen Zutaten vermischen und das Dressing unterheben. Mit frischem Schnittlauch, Petersilie und dem Granatapfel servieren!

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The Vegetarian Diaries

Arne Ewerbeck

http://vegetarian-diaries.com

 

Bei SUSIES LOCAL FOOD erscheint auch Arnes "Food Science", hier erklärt er die Mysterien des Kochen.