SUSIES stellt vor:
Hamburgs beste Manufakturen für regionale Produkte –
„Gin Sul” in Altona

 

SUSIES Local Food zu Besuch in der „Altonaer Spirituosen-Manufaktur”. In einer ehemaligen Tischlerei füllt Stephan seine Liebe für Portugal in Flaschen ab: „Gin Sul” ist der erste in Hamburg produzierte Wacholder-Schnaps – Saudade für's Glas

Ein wenig erinnert der Duft der getrockneten Blätter an Terpentin, mit Kräuternoten, einem Hauch von Zitrone – sehr eigenwillig, kaum zu beschreiben. Sie haben in etwa die Größe des Rosmarins, ihr Harz klebt an den Fingern. Zistrosen wachsen typischerweise im gesamten Mittelmeerraum, vor allem an der portugiesischen Atlantikküste, prägen jene charakteristische Würze in der Luft, die jeder sofort wieder erkennt, der bereits im Wald von Ericeira gecampt hat. Und selbst wenn man Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ kennt, flasht es einen doch, mit welcher Macht die Erinnerungen an einen langen heißen Sommer in Portugal kommen – selbst an diesem Wintertag in Hamburg-Altona.

Die Blätter liegen neben getrockneten Wacholderbeeren in einer kleinen Schale. Die Schale steht auf einem Tresen aus groben Holzplanken. Der Tresen bildet das Zentrum eines stilvoll eingerichteten Raumes, der früher eine Tischlerei war. Nun lesen wir hinter einem mit Flaschen gefüllten Regal in großen weiß schimmernden  Buchstaben: „Altonaer Spirituosen Manufaktur“. Und blicken auf das Herz des Raumes: eine große, kupferglänzende Destille, Rohre und Manometer strahlen im Scheinwerferlicht, ein Meisterwerk deutscher Handwerkskunst. Vor uns sitzt ihr Besitzer, Stephan, kariertes Hemd, roter V-Ausschnitt-Pullover, blaue Schürze, dunkle Haare. Er sieht müde aus, aber auch zufrieden, ja glücklich. Denn seit kurzer Zeit ist sein Produkt im Handel: Gin Sul. Der erste, ausschließlich in Hamburg hergestellte Gin. 

„Ich wollte einen Gin kreieren, der auch meine Liebe für Portugal zum Ausdruck bringt“, sagt Stephan und holt eine der weißen Steingutflaschen hervor. „Dry Gin“ steht in schwarzen Buchstaben über einer stilisierten Cacilheiro. Einige der Fähren, die die Stadtteile Lissabons am Teijo-Ufer verbinden, wurden ursprünglich in Hamburg gebaut (hier der Link zur Geschichte der „St. Paulus“, die zuletzt als Ausflugsschiff unter dem Namen „St. Pauli“ bei der Hadag ihren Dienst tat und heute in Lissabon verkehrt). Die Fähre ist das Symbol dieser hochprozentigen, deutsch-portugiesIschen Freundschaft. Sie dampft über große, blass-blaue Buchstaben hinweg: „Gin Sul – Saudade. Distilled in Hamburg“.

Stephan gießt uns eine Probe ein, kleine Schlucke einer klaren Flüssigkeit, die wie Wasser im Digestifglas glitzert. Wir riechen. Und da ist er wieder der betörende Duft der Zistrosen. Er mischt sich unter den Wacholder. Ein Gin, der nach Hitze und Süden riecht. Wir nippen. Der Geschmack ist klar, frisch, herb, stark. Und doch lässt sich dieser Gin gut pur trinken, brennt sich nicht den Weg frei, sondern geht weich ab. Ein Getränk wie Lissabon. Bei der ersten Begegnung gibt sich die Stadt hart und vielschichtig. Je besser man sie kennt, umso mehr zeigt sich ihre herzliche, fast sentimentale Seite. Die Portugiesen haben sogar ein Wort für diese Gemengelage aus Fernweh und Fado – Saudade. Es gibt keine deutsche Übersetzung. Und Susanne, Tochter eines Hamburgers und einer Portugiesin, kriegt vom Duft des Getränks ganz glänzende Augen.

 
 SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

Stephans Lieblings-Adressen für regionales Essen in Hamburg

Nöcker Behnk Küchen-Praxis in Altona – am Fischmarkt betreiben Jörg und Thorsten ihre ambitionierte, lokal inspirierte Kochschule und Gastroberatung.

Schlachterei Wagner in Eimsbüttel – ein Familienbetrieb seit 1902, sie machen die Würste noch selbst, ein Manufaktur-Betrieb wie in den 30er-Jahren, da dampft und raucht es, die beste Adresse für anspruchsvolle Fleischwaren. 

O Café Central in der Altstadt – zugegeben, nicht ganz local-food-konform, aber mein Lieblings-Portugiese in Hamburg.

Die besten local producer bei SUSIES:

Mr. Hoban´s – Coffee Roastery

Jö Makrönchen – Macarons

Senf Pauli  – Senf und Saucen

Feines Zeug – Nüsse und Snacks

Auch diese Adressen gefallen SUSIES:

pHenomenal Tonic, Lemonaid, Juwelier

Genau lässt sich nicht bestimmen, seit wann Stephan dem portugiesischen Fieber verfallen ist. 14 Jahre war er in der Werbung erfolgreich, hat in großen Kampagnen wichtige Menschen inszeniert. 2009 stieg er aus. Er reiste durch Portugal, ließ sich treiben. Es gab Tage, an denen er nicht wusste, was er tun würde. Und er genoss es. Als Fehler bezeichnet er es heute, dass er sich noch einmal hat überreden lassen, wieder in die Werbung einzusteigen. Das Abenteuer endete nach nicht einmal anderthalb Jahren. Er hatte es satt, in meetings zu sitzen, trockene Kekse zu essen, schlechten Kaffee zu trinken. Er war bereit, ein neues Leben zu starten.

Die Idee, einen eigenen Gin zu machen, stammt von seiner Frau. Stephan sammelt seit einiger Zeit Gins aus aller Welt, Flaschen von mehr als 50 Herstellern stehen in seinen Regalen. Doch es fehlte einfach DER Gin. Seine Frau, sieben Jahre älter als er und Psychologin, analytisch, pragmatisch, sagte eines Abends, er solle doch selbst destillieren (Danke, liebe Unbekannte!). Es begann eine Odyssee, an deren Ende schließlich das herrliche Aroma der Zistrosen seinen Weg in die Flasche fand. Nun gießt Stephan etwas von seinem Gin mit einem feinen Tonicwasser auf. Weil sein Gin ungefiltert ist, trübt sich der Inhalt der Gläser leicht ein. Kohlensäurebläschen tanzen über Eiswürfeln wie Insekten über den wilden Sträuchern der portugiesischen Atlantikküste. Ein perfekter Moment für ein kurzes Interview.

Wieso „Gin Sul“?

Sul heißt Süden. Portugal liegt zwar im Südwesten, am Atlantik. Und doch ist es für mich Inbegriff einer mediterranen, südlichen Lebensart. Zudem bin ich von Miguel aufgenommen worden wie ein Familienmitglied. Jetzt liebe ich dieses Land...

Wie lokal ist dein Gin? 

Eigentlich sehr, denn Gin besteht zu 57 Prozent aus Wasser, und das beziehe ich aus der Nordheide. Anfangs hatte ich allerdings davon geträumt, meinen Gin Sul in Portugal herzustellen. Doch ich bin nur gegen Wände gerannt. Ein Freund von mir sagte irgendwann, als ich in all meiner Verzweiflung bei ihm saß, ich solle meinen Gin doch hier machen. Nun, es ist auch in Hamburg nicht einfach gewesen, aber am Ende war es eine gute Entscheidung. 

Was ist das besondere?

Klar, das Labdanum. So heißt das Harz der Zistrosen, das meinem Gin sein Aroma gibt. Aber es ist auch ein purer Gin, der sehr nach Gin schmeckt. Dafür habe ich die Anzahl der Botanicals drastisch reduziert. In manchen Gins sind es mehr als 30, ich verwende weniger als 16.  

Wie siehst du deine Zukunft?

Ach, darüber mache ich mir gerade keine Gedanken. Für mich geht es jetzt erst los. Und es fühlt sich großartig an.


Gin Sul

Altonaer Spirituosen-Manufaktur

Stephan Garbe

Bahrenfelder Steindamm 2, 22761 Hamburg

www.gin-sul.de

Kauf direkt in der Manufaktur. Auslieferung momentan nur in Hamburg. Eine Liste der Gin-Sul-Händler ist über Stephan Garbes Website zu erhalten.