SUSIES geht essen:
Hamburgs beste Restaurants mit regionaler Küche –
„HappenPappen” in Eimsbüttel

 

SUSIES LOCAL FOOD auf Genuss-Tour: „HappenPappen” heißt Roman Witts Bistro in Eimsbüttel, dem er einen wahrlich verheißungsvollen Beinamen gegeben hat – „die vegane Wohnküche”. Wir haben bei ihm am Herd gestanden und uns ganz schön wohl gefühlt

Woran man einen zufriedenen Menschen erkennt? Er rackert und arbeitet und tut und macht – und wirkt trotzdem ausgeglichen. Romans Lokal hat an sieben Tagen in der Woche von vormittags bis 17 Uhr geöffnet, an den meisten Abenden bietet er Kochkurse an, manche in Kooperation mit anderen Köchen, viele macht er selbst. Steht Roman nicht in seiner „Wohnküche“, schreibt er an einem Blog über vegane Ernährung und stellt andere Restaurants vor (er hat allerdings eine auffällige Vorliebe für das Wörtchen „lecker”). Manchen mag ein solches Leben stressig erscheinen. Doch Roman tut es für sich, und das setzt offenbar Kräfte frei. Jetzt wendet er lächelnd ein paar „Berliner Bouletten”.

Wir stehen im „HappenPappen” und schauen Roman bei der Arbeit zu. Der große kräftige Kerl mit den kurzen Haaren, in denen sich erstes Grau zeigt, lässt die Pfanne tanzen. „Bouletten erinnern mich immer an meine Oma", sagt er und lacht darüber, dass die selbstverständlich Fleisch verwendet hat, während er darauf verzichtet. Denn das HappenPappen ist ein veganes Restaurant. Aber der Duft stimmt. Dafür sorgen die Zwiebeln und das fein gewürzte Kichererbsenmehl. Und offenbar weht die Verheißung hinaus auf die Straße, denn jetzt kommen zwei Handwerker ins Lokal, setzen sich an einen der hellen Tische und bestellen bei Cristina, der guten HappenPappen-Seele Cristina, das in der Pfanne brutzelnde Tagesgericht.

Die beiden Jungs in ihren Blaumännern sehen sich um: ein heller hoher Raum, schwarzgrau abgesetzte Fensterlaibung. Von der Decke baumeln zwei Design-Stoff-Lampen über zwei große weiße Tische, ein Dutzend Holzstühle, eine große offene Küche, umgeben von schwarzen Wänden, auf denen weiß, wie Kreide auf der Schultafel, Getränke und Gerichte stehen. Die beiden erkennen, dass sie hier nicht in einem Imbiss gelandet sind, essen aber mit großem Appetit. Würzig und saftig schmecken die Bouletten, als raffinierter Begleiter entpuppt sich das Apfel-Zwiebel-Gemüse, und mit dem Zeigefinger schleckt einer der beiden Handwerker die scharf-cremige Senfsauce auf. Ha, satt, zufrieden. „Hätte ein bisschen mehr sein können”, sagt einer eher feixend als hungrig. Auf den Espresso danach verzichten die beiden allerdings. Dennoch: Deutschland ist auf einem gutem Weg, wenn inzwischen sogar die, die bisher immer mit miserablem Essen abgespeist wurden, anfangen sich gut zu ernähren.

 
  SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

SUSIES LOCAL FOOD HAMBURG – das Netzwerk für regionales Essen verbindet die besten Adressen.

Romans Tipps für regionales Essen in Hamburg

Kattendorfer Hofladen in Eimsbüttel – im Stadt-Laden des Demeter-Hofes werden vor allem dessen Produkte verkauft. Ich finde das Konzept super.

Kaufmannsladen in Bahrenfeld – hier bekomme ich alle Gewürze und Kräuter, Nüsse und Öle. Ich mag den Duft des Geschäfts und seine Regale voller teils exotischer Waren.

Mono Concept Store in der Sternschanze – ich weiß, nix regionale Lebensmittel hier. Aber ich liebe diesen Laden...

Die beste local cuisine bei SUSIES

Vlet – Hafencity

Zum Spätzle – Neustadt

Waku Waku – Neustadt

Altes Mädchen – Sternschanze

Auch diese Adressen gefallen SUSIES

Speisekammer, La Monella, Tassajara, Dear Matsu

Roman sagt, er koche bereits ewig. Er hat es „bei Muttern” gelernt, immer gern gemacht, Kochbücher gelesen, Kochkurse besucht. Irgendwann setzte ihm die Debatte über den Fleischkonsum so sehr zu, dass er Vegetarier wurde. Dann sah er eine Talkshow mit Attila Hildmann im Fernsehen und beschloss, den nächsten Schritt auch zu machen. Seit mehr als einem Jahr lebt Roman vegan. Und er meint, dass das viel mehr ist als ein Trend. „Ich glaube, es ist ein neues Bewusstsein.”

Im HappenPappen hat das allerdings nichts dogmatisches, es wirkt spielerisch und leicht. Dazu passen auch die Speisen die Roman anbietet, die oft Duft und Geschmack ihrer klassischen Vorbilder aufgreifen, aber eben vegan sind. Einer seiner „absoluten Renner” ist der Eier-Salat. Eier-Salat? Ja. Er verwendet sehr weich gekochte Nudeln, rührt eine Mayonnaise aus Soyamilch an und würzt das alles mit Schwefelsalz, damit auch der bekannte Geruch nicht fehlt. „Die Gäste unserer Kochkurse drehen immer durch”, sagt er und lacht wieder, „ihr müsst unbedingt probieren.” Und er läuft zum Kühlschrank, findet aber nichts. „Ohh, ausverkauft.”

Never stop doing what you love. Never stop loving what you do.
— Sinnspruch an der HappenPappen-Wand

Nicht so schlimm. Er kommt mit zwei Pastéis de Nata zurück, auch die portugiesischen Törtchen gibt es inzwischen in einer veganen Variante. Und setzt sich zu uns an den Tisch. Wir beißen in die Törtchen. Hmm, lecker (sorry, Roman, der musste sein). Zeit für ein Interview.

Wieso „HappenPappen“?

Das kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet Zwischenmahlzeit, Kleinigkeit, einen Happen essen eben. Ich bin in Kiel geboren und mag das Wort einfach.

Wie regional ist deine Küche?

Sehr. Ich kaufe im Kattendorfer Hofladen die frischen Lebensmittel ein und beziehe anderes wie Mehl, Zucker, etc. von Naturkost Nord. Ich achte auch auf saisonale Zutaten, unsere Karte ist ja immer frisch. 

Was ist das Konzept des Lokals?

So etwas wie eine Wohnküche, ohne dass ich genau wusste, was das sein würde, schwebte mir eigentlich schon immer vor. Ich wollte eine offene Küche haben, aber nicht nur eine Nähe zwischen Koch und Gast, sondern vor allem, weil ich immer auch geplant habe, Kochkurse anzubieten.

Wann war klar, dass HappenPappen funktioniert?

Eigentlich von Anfang an. Seit knapp einem Jahr gibt es das Lokal, anfangs hat man uns die Bude eingerannt. Inzwischen funktioniert die Work-Life-Balance etwas besser. 

Was sind deine nächsten Pläne?

Ach, erstmal freue ich mich, dass es gut läuft. Ich würde gern noch mehr selbst machen, so kommen unsere Limonaden und Schorlen unheimlich gut an, etwa Rosmarin-Limette-Ingwer oder Tonka-Orange, ich könnte mir vorstellen, die sogar abzufüllen und zu vertreiben. Oder ein eigenes Kochbuch zu machen. Aber, kein Stress.


HappenPappen

Roman Witt

Lappenbergsallee 41

Hamburg-Eimsbüttel 

www.happenpappenblog.wordpress.com

Mo bis Fr ab 12 - 17 Uhr, Sa + So 11 - 17 Uhr

SUSIES empfiehlt: Wer aus Portugal nur die buttrigen Pudding-Originale kennt, den werden Romans vegane Pastéis de Nata begeistern. Die sind wirklich gut. Wie die Bouletten...